In diesem Blogartikel möchte ich darüber berichten, welche Möglichkeiten der Transparenz ich in meinem Kindertanzunterricht nutze. Warum ich Transparenz im Tanzunterricht für Kinder als wichtig empfinde, erkläre ich bereits im Blogartikel „Kindertanzpädagogik darf jede_r in Österreich unterrichten.
Ein authentischer, respektvoller Umgang mit Kindern ist mir im Unterricht sehr wichtig. Transparenz empfinde ich dabei als ein besonders geeignetes Mittel. Gleichzeitig hat man durch die Transparenz im Kindertanzunterricht immer auch einen Bezug zu den Eltern beziehungsweise Begleitpersonen der Kinder.

Der erste Eindruck: Website, Social Media und Workshops
Die erste Kontaktaufnahme findet meist über meine Website, über Social Media oder über Workshops statt, die von anderen Organisationen angeboten werden. In all diesen Fällen kommen Eltern zunächst über Texte und Bilder mit meinem Tanzunterricht in Kontakt.
Deshalb ist es mir besonders wichtig, dass Bildmaterial und Texte möglichst klar zeigen, was mir im Kindertanzunterricht wichtig ist. Jede Tanzpädagogin und jeder Tanzpädagoge hat unterschiedliche Schwerpunkte und Methoden – und genau das finde ich sehr wertvoll. Denn auch Kinder sprechen auf unterschiedliche Unterrichtspersönlichkeiten, Unterrichtsinhalte und Methoden an.
In der von mir entwickelten Ausbildung zur Kindertanzpädagogin unterstütze ich angehende Pädagog*innen dabei, ihre eigene Unterrichtspersönlichkeit zu finden und zu definieren, welche Aspekte ihnen im Unterricht besonders wichtig sind. Je bewusster uns unsere Schwerpunkte sind und je besser es gelingt, diese in Bild und Text sichtbar zu machen, desto eher erreichen wir genau jene Kinder und Familien, für die unser Unterricht passend ist.
Die Schnupperstunde als zentrales Element der Transparenz
Wenn Eltern ihr Kind für ein regelmäßiges Tanzangebot anmelden möchten, bestehe ich darauf, dass das Kind zuerst eine Schnupperstunde besucht. Für viele Eltern ist das selbstverständlich, dennoch gibt es immer wieder Anfragen, bei denen Kinder aus Angst, keinen Platz zu bekommen, gleich für ein ganzes Semester angemeldet werden sollen.
Die Schnupperstunde ist mir jedoch sehr wichtig, da sich Kinder – je nach Alter – oft noch nicht gut vorstellen können, was eine Tanzstunde konkret bedeutet. Gleichzeitig kann Tanzunterricht sehr unterschiedlich gestaltet sein, sodass auch Eltern ihr Kind nur begrenzt darauf vorbereiten können.

Während der Schnupperstunde lade ich die Eltern ein beim Unterricht zuzusehen. Jede Stunde ist anders, die Dynamik verändert sich im Laufe der Zeit, aber mir ist wichtig, dass Eltern und Kinder durch die Schnupperstunde einen realistischen Einblick bekommen:
- wie wir im Unterricht arbeiten
- wie mein Umgang mit den Kindern ist
- wie der Raum gestaltet ist
- und auch, wie sich die Gruppe zusammensetzt
Gerade bei jüngeren Kindern ist es mir wichtig, dass sie auch dann noch einmal schnuppern dürfen, wenn sie bereits bei mir waren, weil auch die Gruppendynamik sehr unterschiedlich sein kann und Kinder in dem Alter ihre Interessen auch verändern ohne dass sie das immer so gut reflektieren können. Da hilft es in der Schnupperstunde Klarheit zu bekommen.
Beim Eltern-Kind-Tanzen gilt eine Ausnahme: Da hier der Fokus stark auf dem gemeinsamen Erleben liegt, müssen Familien, die bereits teilnehmen, keine zusätzliche Schnupperstunde besuchen.
Die Schnupperstunde hilft außerdem dabei herauszufinden, ob das Kursniveau für das Kind passend ist. Manche Kinder besuchen meine Kurse schon sehr lange, andere sind neu dabei. Mir ist wichtig, dass Kinder weder unter- noch überfordert sind und Freude am Unterricht haben.
Transparenz mit Emotionen und Befindlichkeiten im Unterrichtsalltag
Neben der transparenten Kursanmeldung ist mir auch Konsistenz im Unterricht wichtig. Das bedeutet für mich:
- Wir beginnen jede Stunde im Kreis
- Wir beenden jede Stunde im Kreis
- Vor dem Abschluss gibt es ein gemeinsames Spiel (ca. 2–7 Minuten)
Dieses Spiel ist keine Belohnung, sondern ein fester Bestandteil des Stundenabschlusses.
Ich bemühe mich stets um einen respektvollen und geduldigen Umgang mit den Kindern. An müden oder anstrengenden Tagen fällt mir Geduld manchmal schwerer – auch das versuche ich transparent zu machen. Ich sage den Kindern zum Beispiel, dass ich müde bin und heute ein wenig Rücksicht brauche. Wenn meine Stimme ungeduldig klingt, erkläre ich, dass das nicht an den Kindern liegt. Ich kann gut die Gruppe zusammenhalten und mir auch durch eine laute Stimme Gehör verschaffen ohne Kinder für ihre Lautstärke oder ihre Bewegtheit zu rügen. Das ist auch meine Aufgabe als Tanzpädagog*in auf die gesamte Gruppendynamik Rücksicht zu nehmen und darauf zu achten, dass einzelne Kinder nicht in einem zu lauten oder wilden Unterrichtsgeschehen untergehen.
Gleichzeitig lade ich die Kinder ein, mir mitzuteilen, wenn sie müde sind, sich unwohl fühlen oder Schmerzen haben – etwa nach einer Impfung oder wenn sie nach Krankheitstagen sich noch schwach fühlen. Diese Offenheit im Umgang mit Gefühlen und Körperzuständen hilft den Kindern, ihren eigenen Körper besser wahrzunehmen und zu kommunizieren, was sie brauchen. Sie lernen, dass niemand perfekt sein muss – und dass das völlig in Ordnung ist. Sie lernen ihre Bedürfnisse transparent zu machen, so dass wir als Pädagog*innen die Möglichkeit haben auf diese Bedürfnisse zu reagieren.
Wir achten gemeinsam darauf, respektvoll mit dem Unterricht umzugehen, damit wir miteinander lernen und die Stunde gut abschließen können. Diese Form der Transparenz ist mir sehr wichtig, auch wenn sie im Alltag nicht immer leicht umzusetzen ist.
Austausch mit den Eltern
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Transparenz ist für mich der Austausch mit den Eltern. Wenn mir im Unterricht Motivationsschwierigkeiten oder andere Themen auffallen, spreche ich diese an. Manchmal reicht ein kurzes Gespräch mit den Eltern, manchmal ist ein gemeinsames Gespräch mit Kind und Bezugsperson sinnvoll.
Mir ist wichtig, dass Kinder dabei Mitspracherecht haben und spüren, dass ihre Perspektive ernst genommen wird – immer mit dem Ziel, dass der Unterricht für alle Beteiligten Freude macht.
Eltern im Tanzunterricht – Nähe und Schutzraum
Die Einbindung der Eltern ist für mich über die Jahre gewachsen, besonders seit ich selbst Mutter bin. Die intensivste Form der Elternarbeit erlebe ich im Familientanzunterricht, weshalb diese Angebote seitdem einen größeren Platz in meinem Programm haben.
Ich genieße sowohl den Unterricht mit Kindern ohne Eltern im Raum als auch die lebendigeren, oft chaotischeren Familientanzangebote. Beides hat seine eigene Qualität.
Besonders ideal für den reinen Kindertanzunterricht empfinde ich Räume, in denen Eltern außerhalb des Tanzsaals zuschauen können – zum Beispiel durch eine Glaswand. Aktuell finden meine Kindertanzangebote in einem Saal statt, von dem aus Eltern aus dem Vorraum zusehen können. Auch hier bestätigen wieder Ausnahmen die Regel.

Gerade für jüngere Kinder ist die Nähe zu den Eltern oft sehr unterstützend. Die Eltern sind erreichbar ohne den Schutzraum im Tanzsaal zu stören. Kinder nutzen diese Möglichkeit meist nur gelegentlich, fühlen sich dadurch aber sicherer. Da es im Kindertanz keine klassische Eingewöhnungszeit wie im Kindergarten gibt, empfinde ich diese Lösung besonders für vier- und fünfjährige Kinder als hilfreich. Auch hier gibt es wie bei fast allen meinen Regeln Ausnahmen. In der Zeit, in der wir für die Abschlussaufführung proben, hänge ich ein Tuch über die Glastür, so dass die Aufführung für die Eltern als Überraschung geplant wird.
Mut zur Transparenz
Als junge Tanzpädagogin hatte ich große Angst vor Transparenz – vor Fehlern, vor chaotischen Momenten im Unterricht. Heute sehe ich das anders. Kleine Fehler oder unruhige Phasen sind nicht entscheidend, wenn Eltern einen guten Gesamteindruck vom Unterricht bekommen.
Wirklich wichtig sind:
- der respektvolle Umgang mit den Kindern
- die sichtbaren Fortschritte
- und vor allem die Freude an der Bewegung
Eine nicht perfekt gelungene Choreografie oder kleine Verletzungen gehören zum Bewegungslernen dazu. Wenn Eltern den Unterricht gut kennenlernen, rücken diese Aspekte in den Hintergrund.
Deshalb möchte ich alle Kindertanzpädagoginnen – auch im Sinne des Kinderschutzes – dazu ermutigen, zu überlegen, wo im eigenen Unterricht vielleicht noch ein Stück mehr Transparenz möglich ist.


